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	<title>vedic guide - Informationen vom Schriftgelehrten Shri Sarvabhavana</title>
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	<description>Der Schriftgelehrte  Shri Sarvabhavana</description>
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		<title>Erleuchtung</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Sep 2011 19:16:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>andre</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Erleuchtung]]></category>
		<category><![CDATA[Schöpfung]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Die älteste Beziehung, die wir zu diesem Wort „Erleuchtung“ finden, ist Illumination, aus dem lateinischen stammende Illuminare. Griechische Philosophen haben...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Die älteste Beziehung, die wir zu diesem Wort „Erleuchtung“ finden, ist Illumination, aus dem lateinischen stammende Illuminare. Griechische Philosophen haben Illuminare als einen rationalen Geistesbegriff erläutert, der zu empirischen Schlussfolgerungen führte. Das bedeutet, jede Schlussfolgerung gilt so lange bis sie widerlegt ist.<br />
In den Veden dagegen gibt es diesen Begriff „Erleuchtung“ nicht. Das Nächstliegende was man mit diesen Begriff verbinden kann, ist ein Vers aus den Rgveda, wo in der Form eines Gebetes gesagt wird:</p>
<p style="text-align: justify;">„Bitte vertreibe meine Illusion, so dass ich die Wahrheit sehen kann, bitte vertreibe die Dunkelheit der Unwissenheit, in der ich mich jetzt noch befinde und lasse es zu Wissen und Licht führen.“</p>
<p style="text-align: center;">Der genaue Vers lautet:<em><em><br />
asato ma satgamayo<br />
tamasa ma jyotirgamayo</em></em></p>
<p style="text-align: left;"><em><em></em></em>Tamasa ma &#8211; <em>tamasa</em> bedeutet Unwissenheit und gleichzeitig auch Dunkelheit,<em> ma</em> bedeutet zu vertreiben oder zu vernichten,<br />
jyoti gamayo -<em> iyoti</em> bedeutet Licht und<em> gama iyo</em> steht für Ausstrahlung, so dass ich in die Lichtstrahlen-Erkenntnis hinein gehen kann. Das ist ein Gebet.</p>
<p style="text-align: justify;">Außer dieser Referenz zu dem Wort „Erleuchtung“ oder <em>jyoti</em> kommt es nicht noch einmal vor, und zwar in den gesamten vedischen Schriften. Jyotish ist mehr das Wissen der Astrologie, (jyoti shastra) trotzdem, hat es wirklich etwas mit Licht zu tun, es ist daher keine falsche Übersetzung.</p>
<h4 style="text-align: justify;">Erleuchtung ist kein Zustand, den man zufällig erreicht.</h4>
<p style="text-align: justify;">Nun möchte ich mich den vedischen Schriften zuwenden. Hier ist einiges sehr klar dargestellt worden. Erleuchtung ist kein Zustand den man zufällig erreicht. Viele Menschen glauben heutzutage, man könnte ein siebentägiges Retreat machen, das letztendlich zur Erleuchtung führt. Dann kommt der Kursteilnehmer heraus und trägt keinen Kopf mehr, sondern eine Glühbirne &#8211; er ist sozusagen „erleuchtet.“ Ich möchte versuchen, die Dinge klar zu stellen und erklären, was Erleuchtung, Erkenntnis bzw. Verwirklichung wirklich bedeutet.</p>
<p style="text-align: justify;">Dieser Pfad, Weg oder Vorgang ist ein sehr strikter und strenger Vorgang, was aber nicht bedeutet, dass er mühsam oder schwierig ist. Es sollen bestimmte Gewohnheiten und Eigenschaften entwickelt werden, wogegen andere Eigenschaften und Gewohnheiten abgelehnt oder abgelegt werden. Das bewusste Ziel dahinter ist, das eigene Bewusstseinsniveau zu erheben, so dass das eigene Dasein klar verwaltet werden kann, das heißt, sich nicht mehr in Handlungen zu verstricken, die uns unmittelbar in Leid und Illusion gefangen halten. Dieser Weg ist eine sehr bewusste Entscheidung. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, dass man sehr klare Anweisungen bekommt, weil jeder von uns ein Individuum ist. Unsere Bedürfnisse und Neigungen sind auch sehr individuell. Eine unilaterale Anweisung muss so vermittelt werden, dass es zu diesem Individuum passt, zu seiner Natur, seinen Neigungen und die Resonanz in Einklang mit seiner Natur steht. Ansonsten könnte so ein Pfad sehr künstlich werden, es könnte sich nach einer gewissen Zeit heraus stellen, dass dieser Weg nicht der richtige gewesen ist. Deswegen kann es nicht in unserem Interesse sein, diesen Weg für sich alleine zu formulieren und zu gehen.</p>
<h4 style="text-align: justify;">Den „erleuchteten Zustand“ gibt es eigentlich nicht.</h4>
<p style="text-align: justify;">Es sind mehrere Stufen zu gehen. Ich möchte mich heute in diesem Vortrag beschränken und nur auf die erste Stufe der Erleuchtung eingehen. Die erste Stufe der Erleuchtung ist die Selbsterkenntnis. Ohne Erkenntnis und Verwirklichung ist es nicht möglich, weitere Erkenntnisse und Verwirklichungen zu erlangen. Der erste Schritt ist, zu erkennen, dass ich mich als Person in der Mitte des gesamten Universums befinde. Das bedeutet aber auch, dass das Universum ohne mich existiert, aber ohne selbst da zu sein, kann ich es nicht wahrnehmen. Damit das Universum von mir wahrgenommen werden kann, muss ich auch da sein. Daher fängt die gesamte Forschung der Wahrheit mit Selbsterkenntnis an. Es ist möglich in meinem Umfeld, das Phänomen der Natur und der Welt wahrzunehmen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Frage aber stellt sich, in welchem Verhältnis stehe ich im Mittelpunkt der ganzen Schöpfung gegenüber? Was bedeutet für mich diese Schöpfung, wie soll ich mit ihr umgehen und wie soll ich mit mir selbst umgehen? Dieser ganze Vorgang ist Selbstentdeckung.</p>
<h4 style="text-align: justify;">Die Wahrheit ist überall und Wahrheit ist die Basis dieser Schöpfung.</h4>
<p style="text-align: justify;">Die Wahrheit kann man überall erkennen, aber in diesem Zustand ist mein Geist und meine Wahrnehmungsfähigkeit so von Illusion und Dualität bedeckt, dass die richtige Wahrnehmung nicht möglich ist. Es ist ein wahrer Begriff, dass man erleuchtet wird, wenn man Selbsterkenntnis erlangt hat. Es ist wie in einer Dunkelkammer: Wenn man eine schwarze Katze sucht, ist es nicht möglich, sie zu finden. Wenn es das Ziel ist, eine schwarze Katze zu suchen, den schwarzen Kater, den ich vermisse oder wenn mein Anliegen ist, darüber Erkenntnis zu gewinnen, „wer bin ich?“, dann ist es wirklich wichtig festzustellen, dass ich es nicht weiß.</p>
<p style="text-align: justify;">Eine Person schickt eine andere Person in eine dunkle Kammer und sagt ihr, dass darin ein Elefant sei, den sie beschreiben soll. Die Person in der dunklen Kammer hat aber noch nie einen Elefanten gesehen und hat keine Vorstellung darüber wie er aussieht. Er greift an die Beine des Elefanten und denkt, dass das bestimmt ein Baum ist. Einen Baum hat er schon einmal gesehen, er weiß, was ein Baum ist, aber einen Elefanten hat er nie gesehen. Er hat also keine Vergleichsmöglichkeit und Erinnerung an einen Elefanten.</p>
<p style="text-align: justify;">Weil unser Geist ohne einen Vergleich nicht zu einer Schlussfolgerung gelangen kann, ist es wichtig, die Gegenstände, die Polarität darzustellen, so dass wir langsam, aber sicher, die Polarität der Dualität in allen Schattierungen erkennen und über die Dualität hinaus die Wahrheit sehen können. Dualität kann man in einen einzigem Begriff sehr schön erläutern. Der Bereich in dem Ursache und Wirkung existiert, ist der Bereich der Dualität. Der Bereich, in dem es keine Ursache und Wirkung gibt, ist ein neutraler Zustand. Und dieser Zustand ist eigentlich die Erleuchtung:</p>
<ul style="text-align: justify;">
<li>Wir haben erkannt, dass unser Geist nicht mehr von dieser Dualität zerrissen ist.</li>
<li>Wir erkennen, dass wir als Lebewesen spirituelle Funken und diese nicht verwandt mit dem Bereich der Dualität sind.</li>
</ul>
<p style="text-align: justify;">Daher ändert sich unsere gesamte Weltanschauung, unsere Handlungen und auch unser Umgang ändern sich. Der Pfad, der vor uns liegt, ist nicht mehr dunkel, sondern wir sehen hell wie im Tageslicht und wir können ganz weit sehen. Das ist es, was eigentlich Erleuchtung bedeutet. Das bedeutet: alles was wir sagen, alles was wir denken, alle Handlungen, die wir ausführen, alle Handlungen, die wir ablehnen, jede Situation, in die wir hinein geraten, sind uns bewusst und klar. Sie sind nicht mit der Außenwelt verstrickt.<br />
Es ist allerdings auch nicht so, dass man im erleuchteten Zustand sich dem Umfeld nicht bewusst ist, also, wo man sich in Zeit, Ort und Umstand befindet. Aber man bemerkt diese Faktoren nur an der Peripherie. Dieser Zustand ist auch nicht wie ein Sekundenblitz, die plötzliche Erleuchtung und das genauso plötzliche Verschwinden. Anschließend bin ich wieder das gleiche armselige leidende Opfer! So ist das nicht.<br />
Erleuchtung kommt nur durch Erkenntnis. Durch Meditation oder durch das Praktizieren einer bestimmten Atemübung in einer bestimmten Sitzposition werde ich diese Erkenntnis nicht unvermittelt erlangen.<br />
Die Erleuchtung ist immer eine Entwicklung Schritt für Schritt. Schritt für Schritt bedeutet, bevor ich den nächsten Schritt zur nächsten Erkenntnis nehme, ist mir sehr bewusst, welche Schritte ich hinter mir lasse. Das End-Ziel ist immer vor meinen Augen, wie es in den Veden geschrieben steht &#8211; die Selbsterkenntnis.</p>
<p style="text-align: justify;">Zwei wichtige Feinde oder Hindernisse dieser Selbsterkenntnis sind in den Veden immer wieder erwähnt: <em>kama</em> und <em>lobha</em>.</p>
<ul style="text-align: justify;">
<li><em>Kama</em> bedeutet der allgemeine materielle Wunsch, der materielle Genuss, die Lust zu begehren und streben nach Sinnesbefriedigung, egal was das ist.</li>
<li><em>Lobha</em> ist die Gier nach materiellen Dingen, d.h. nach Besitz. Auch wenn ich viel besitze, bin ich durch dieses Besitztum nicht zufrieden gestellt, sondern ich möchte noch mehr.</li>
</ul>
<p style="text-align: justify;">Etwas Zeitweiliges zu wünschen, kommt aus Unwissenheit:<br />
<em>Kama</em> und <em>lobha</em> sind Wünsche besitzergreifender Natur, beziehungsweise der Materie. Sie sind das Resultat von Unwissenheit. Etwas Zeitweiliges zu wünschen, kommt aus Unwissenheit: Wir suchen etwas Dauerhaftes und wir wissen nicht, was zeitweilig oder vergänglich ist. Letztendlich kann man die Suche in dieser Welt in zwei Fragen deutlich darstellen:</p>
<ul style="text-align: justify;">
<li>Wie kann ich Leid endgültig vernichten?</li>
<li>Wie kann ich mein Glück ausdehnen und halten?</li>
</ul>
<p style="text-align: justify;">Wenn diese beiden Aspekte wirklich unsere Ziele sind, dann ist es sehr wichtig festzustellen, was unsere Wünsche, Handlungen und Ambitionen wirklich sind. Sind sie immer mit zeitweiligen Dingen verbunden? Sind sie erreichbar? Kann ich mein wirkliches Ziel erreichen in dem ich dauernd meinen Geist in die Äußerlichkeit fliehen lasse?</p>
<p style="text-align: justify;">Deswegen, möchte ich immer wieder feststellen: Erleuchtung ist kein Zufall.</p>
<p style="text-align: justify;">Erleuchtung ist eine sehr bewusste geistige Schritt für Schritt Entwicklung innerhalb eines bestimmten spirituellen Paradigmas, die wiederum in der Begleitung eines Mentors stattfindet. Erleuchtung bedeutet, die Dunkelheit der Dualität, Missverständnisse und Illusion zu vertreiben. Das kann man, wie gesagt, an ganz bewussten Schritten in der geistigen Entwicklung merken. Jeder, der diesen Weg geht, merkt, welche Entwicklung er gemacht hat und welche Erkenntnisse er gewonnen hat. Die gesamte Wahrnehmung der Welt, auf die wir uns bisher berufen haben, hat sich geändert: Unsere Denkart, unsere Umgangsart hat sich geändert und auch unsere Wünsche haben sich geändert.</p>
<p style="text-align: justify;">Erleuchtung ist unser Lebensziel. Dieses menschliche Leben ist uns als ein Geschenk gegeben worden, weil das menschliche Wesen Vernunft und Unterscheidungsvermögen besitzt. Nur in diesem Leben ist es durch Unterscheidungsvermögen möglich, Realität von der Illusion zu trennen. Von der Dualität ins Absolute zu gehen, bedeutet von Dunkelheit der Unwissenheit, ins Licht der Erkenntnis und Erleuchtung zu gelangen.</p>
<p style="text-align: justify;">Unsere ursprüngliche Natur ist so bedeckt, dass wir vergessen haben, dass wir spirituelle Funken sind.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir leiden, weil wir uns einhundertprozentig mit unserem Körper identifizieren, als unserer eigentlichen Identität. Da taucht für uns das gesamte Problem auf: Missgunst, Angst, Befürchtung und Depression. Also versuchen Sie zu erkennen, wie wichtig die menschliche Geburt ist. Der Körper ist das beste Fahrzeug, um unser Ziel zu erreichen und dann ganz nüchtern, Schritt für Schritt das Bewusstsein zu erheben, bis wir Schritt für Schritt die Erleuchtung erlangt haben. Dann werden wir diese Welt nicht mehr als einen Ort, an dem wir leiden, empfinden.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Fragen an Shri Sarvabhavana</h2>
<p style="text-align: justify;"><strong>F. Meine Frage ist, ist Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung allein im stillen Kämmerlein möglich oder brauche ich dazu den Austausch und das Feedback anderer Menschen?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">S. Jein, wie die Berliner sagen. Es ist nicht notwendig, dass einer sagt: Du bist aber sehr fortgeschritten. Dafür brauchen wir keinen Austausch. Austausch brauchen wir um festzustellen, dass wir bestimmte Eigenschaften entwickelt haben. Eine sehr wichtige Eigenschaft ist Duldsamkeit. Wie kann ich feststellen, dass ich duldsam oder tolerant geworden bin, ohne Austausch mit Menschen zu haben?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>F. Zum Beispiel, wenn ich in Situationen komme, in denen ich früher ungeduldig war und heute bin ich duldsam. Das kann ich selber feststellen.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">S. Ja, aber eine Situation ist nicht so dynamisch und achtsam wie eine Person, in der Sie provoziert werden. Nur dann zeigen Sie ihre Duldsamkeit. Mit einem Baum können Sie sich nicht duldsam zeigen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>F. Kann Erleuchtung plötzlich und unerwartet erfolgen?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">S. Die Erleuchtung selbst kann plötzlich auftauchen, aber der Vorgang muss trotzdem sorgfältig und eifrig praktiziert werden. Man kann natürlich nicht sagen, nach fünf, sieben oder zehn Jahren oder am Ende des Lebens erlange ich mit Sicherheit dieses Ziel. Nein! Eines dürfen wir nie vergessen, und zwar Wahrheit ist absolut unabhängig von jeglicher Dualität und von jeglicher besitzergreifenden Energie. Wenn man sagt „unabhängig“, so ist es unabhängig von allen Gesetzen, auch wenn wir eifrig darum bemüht sind, einen bestimmten Pfad zu gehen oder einer bestimmten Praxis zu folgen. Auch wenn wir sorgfältig jahrelang praktiziert haben und gewisse Eigenschaften entwickelt haben, gibt es trotzdem keine Garantie, dass wir diese Erleuchtung erlangen. Erleuchtung bedeutet eben bis zu einem gewissen Grad, die Wahrheit zu erkennen. Die Wahrheit können wir nicht in Vollkommenheit erkennen, dazu sind wir nicht fähig. Unsere Beschaffenheit ist zu klein, um die Wahrheit vollkommen zu erkennen. Es ist eine langsame Offenbarung. Wenn wir die Bereitschaft entwickeln, die Offenbarung wahrzunehmen, dann ist das Erleuchtung. Erleuchtung können wir nicht erzwingen, das ist nicht möglich. Alles was der Geist durch den Willen erfassen kann, ist ein Resultat dieser Dualität. Wenn der Geist etwas erzwingt, ist er in Dualität gefangen und ihr untertan. Das kann dann nicht die Wahrheit sein.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>F. Das<em> karma</em> (Gesetz von Wirkung und Ursache) aus vielen Leben hat ja eine Wirkung. Auf dem Weg zu Erleuchtung wirkt doch immer noch das Bündel karma. Jetzt ist die Frage, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich den Weg zu Erleuchtung gehen kann, obwohl ich noch so ein großes Gepäck mit mir herum schleppe?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">S. Das ist wahr, das<em> karma</em> kann immer noch im Leben auftauchen, das ist wohl möglich, aber für einen der erleuchtet ist, ist das karma nicht mehr da, es ist weg. Die karmischen Reaktionen verschwinden durch den Vorgang, denn letztendlich ist<em> karma</em> nicht ewig und nicht absolut. Wenn <em>karma</em> absolut sein würde, würde es Gott ersetzen.<em><br />
Karma</em> ist zeitweilig. Das karma, das wir in diesem Leben als Gepäck herein geschleppt haben, ist nur für dieses Leben. Im nächsten Leben bekommen wir neues<em> karma</em> und im übernächsten wieder neues.<br />
Es gibt zwei Faktoren, die mit dem karma verbunden sind. Erstens, das äußere Leben, die Außenwelt: Zeit, Ort und Umstand beschreiben unsere Außenwelt und zweitens, die geistige Entwicklung mit der damit zusammenhängenden Wahrnehmung. Diese beiden Faktoren haben einen wichtigen Einfluss darauf, wie unser Befinden in diesem Zustand ist. Dieses extra Gepäck können wir auch in unserem voriges Leben zurück lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich möchte eine kleine humorvolle Geschichte zu diesem Thema erzählen:</p>
<p style="text-align: justify;">Zwei Mönche sind unterwegs und kommen an einen Fluss. Da steht eine Frau, die diesen Fluss nicht überqueren kann. Ein Mönch half ihr, setzte sie auf seine Schulter und trug sie über den Fluss. Am anderen Ufer, setzte er sie ab, wo sich die Wege der Mönche und der Frau trennten. Nach ein oder zwei Stunden sagte der eine Mönch zu dem anderen: „Wie hast du das machen können, du bist doch ein entsagter Mönch, aus einem entsagten Ort. Du darfst doch gar nicht eine Frau anfassen.“ Da antwortete der andere Mönch: „Weißt du, ich hab der Frau geholfen, den Fluss zu überqueren und sie dann am anderen Ufer abgesetzt, aber du hast sie bis hierher mit dir getragen.“</p>
<p style="text-align: justify;">Das ist <em>karma</em> für uns, wir können<em> karma</em> auf den Platz verweisen, wo es hingehört. Aber meine Wahrnehmung sagt mir „warum passieren mir so viele schlechte Dinge?“. Diese Dinge sind alle gar nicht immer schlecht. Es sind einfach Dinge, die passieren, weder um mich zu foltern, noch um mich zu ärgern, die sind einfach da und ich kann vorbei gehen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>F. Wie erreiche ich die innere Ruhe?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">S. Richtiges Wissen, richtige Begleitung, Mantren, Rituale der Meditation&#8230; das hängt auch davon ab auf welcher Ebene Sie sind. Man muss die geistige Entwicklung ermessen, um das Richtige zu tun. Das Ziel ist die Selbsterkenntnis. Wenn ich die Selbsterkenntnis vernachlässige, dann sind wir in einer heiklen und unsicheren Position, wir erreichen nie eine feste Entwicklungsstufe. Deswegen braucht man nicht separat nach Harmonie zu suchen, sondern das ist eine Nebenwirkung von geistiger Entwicklung.</p>
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		<title>Freier Wille</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Aug 2011 12:29:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vedicguide</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Freier Wille]]></category>
		<category><![CDATA[Freundschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Schicksal]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein junger Schüler drängte seinen Meister – einen Meister der Mystik – wiederholt mit großer Ungeduld, ihm doch sein größtes...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Ein junger Schüler drängte seinen Meister – einen Meister der Mystik – wiederholt mit großer Ungeduld, ihm doch sein größtes Geheimnis zu verraten. Der Meister hatte es mit großer Mühe nach vielen Jahren der Erfahrung geschafft, einen der mächtigsten Poltergeister unter seine Kontrolle zu bringen. Jetzt hielt er ihn in einer Flasche gefangen. Der Meister sagte zu seinem ungeduldigen Schüler, dass man, wenn man ihn von seiner Gefangenschaft befreien würde, ihn ständig beschäftigen müsste. Nur wenn er freiwillig seine Niederlage zugäbe, könnte er wieder gefangen genommen werden. Der unerfahrene Schüler meinte, dass dies sehr einfach sei, wenn er an seine unzähligen Wünsche dachte, die er erfüllt haben wollte.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Meister konnte nichts anderes tun, als sich einverstanden zu geben. Er rief den Poltergeist herbei und befahl ihm, den Jungen als neuen Meister für seinen Dienst anzunehmen. Der Poltergeist verbeugte sich und sprach mit tiefer Stimme: „Ich stehe zu Ihren Diensten.“ Er war riesig groß und furchterregend, nahm sein langes Schwert aus der Scheide und rief: &#8220;Wehe, du hast keine Beschäftigung für mich! Dann schneide ich dir den Kopf ab!&#8221;</p>
<p style="text-align: justify;">Daraufhin befahl ihm der Junge raufhin befahl ihm der Junge, einen großen prächtigen Palast zu errichten. Dies war in wenigen Tagen vollbracht. Schon stand der Geist mit gezücktem Schwert für den nächsten Befehl bereit. Der Junge zählte all seine Wünsche auf, wie eine prachtvolle Innenausstattung des Palastes, einen Park, eine Kutsche mit Pferden, Spielzeuge, Teiche, Tiere usw. Der Poltergeist hatte im Nu alles bereitgestellt, und weckte ihn manchmal mitten in der Nacht auf, um die nächsten Befehle zu erhalten. Weil er sich ununterbrochen neue Befehle ausdenken musste, um den Diener beschäftigt zu halten, fand er nicht die geringste Zeit für Essen und Schlafen. Erschöpft und ohne weitere Wünsche rannte er zu seinem Meister und flehte ihn an, ihn vor dem Poltergeist zu beschützen, der auch schon hinter ihm hergerannt kam. Bewegt von Mitleid gab er dem Jungen den Rat, eine hohe Säule bauen zu lassen, an der der Poltergeist bis zum Gipfel hinaufklettern sollte. Und wenn er den Gipfel erreicht habe, solle er sofort wieder herunter rutschen, um dann erneut wieder hoch zu steigen. So solle er weitermachen bis er neue Befehle erhalte. So wurde der Poltergeist unter Kontrolle gebracht.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Kraft des kontrollierten Geistes</p>
<p style="text-align: justify;">Der Poltergeist ist wie der Geist des Menschen. Das Geheimnis des Meisters war, die Kraft zu entwickeln, den Geist unter Kontrolle zu bringen und sich aus der Gefangenschaft des unkontrollierbaren Geistes zu befreien. Ein unkontrollierter Geist vergeudet seine eigene Kraft, führt den Menschen in die Irre und hält ihn in Illusionen gefangen, wohingegen ein kontrollierter Geist Wunderbares schaffen kann.</p>
<p style="text-align: justify;">Seit Tausenden von Jahren wird über das Thema „Die Kraft des Geistes“ in allen Kulturen  diskutiert. Die vedischen Schriften, vor allem die Upanisaden, sind es, die hierfür eine Erklärung anbieten. Da steht, dass die Lebewesen zwei Arten von Körper besitzen, einen grobstofflichen und einen feinstofflichen. Der grobstoffliche Körper, der einen Mikrokosmos darstellt, gleicht dem Makrokosmos des Universums. Er besteht ebenfalls aus einer Mischung der fünf grobstofflichen Elemente: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther oder Raum. Und der feinstoffliche Körper ist die Energie der Seele, die als Bewusstsein bezeichnet wird. Das Bewusstsein besteht, entsprechend dem Umgang des Selbst mit der phenomenalen Welt, d. h. mit der es umgebenden materiellen Natur, aus drei Teilen: Geist, Verstand und Ego. In vielen Kulturen wird das Bewusstsein mit „Geist“ gleichgesetzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Yogis, die dem Pfad des achtteiligen mystischen Yogas nach den Pantanjali-Sutra-Schriften folgen, entdecken die unvorstellbare Kraft des Geistes. Durch dieses mystische Yoga erlangt man verschiedene Geisteskräfte wie z. B. „laghima-siddhi“, d.h. leichter als Luft zu werden, &#8220;anima-siddhi&#8221;, sehr klein zu werden, &#8220;garima-siddhi&#8221;, riesig und schwer zu werden, &#8220;prapti-siddhi&#8221; ,alles, was man sich wünscht, zu erhalten usw.</p>
<p style="text-align: justify;">Den feinstofflichen Körper wahrnehmen</p>
<p style="text-align: justify;">Alle Lebewesen  sind spirituelle Seelen, d.h. sie sind empfänglich für geistige und spirituelle Kräfte. Ihre bloße Identifizierung mit dem grobstofflichen, aber der Begrenztheit unterworfenen Körper, der für sie das wahre Selbst ist, hält deshalb ihre Geisteskraft gefangen. Das bedeutet, unsere Wahrnehmung bleibt auf die fünf Sinne, die unvollkommen sind, begrenzt, da sie der Täuschung unterworfen sind. Wer kann mit bloßen Augen Mond und Sterne am Tag und die Sonne in der Nacht sehen, obwohl sie doch immer am Firmament stehen?</p>
<p style="text-align: justify;">Da die Lebewesen einzig und allein den materiellen, grobstofflichen Körper für das wahre Selbst halten und sich ununterbrochen mit ihm beschäftigen und identifizieren, verschließt sich ihnen die Möglichkeit, den anderen Teil ihres Wesens, d. h. ihren feinstofflichen Körper, wahrzunehmen. Deshalb bleibt für sie für immer die Zukunft im Dunkeln und die Vergangenheit in Vergessenheit. Ohne den feinstofflichen Körper und dessen Vielfältigkeit kennenlernen zu wollen, ist es nicht möglich, die uns innewohnende Kraft des Geistes zu erfahren. Alle Informationen, die wir über unseren grobstofflichen Körper und dessen Aktivitäten besitzen, rührt von der Kraft dieses feinstofflichen Körpers her.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Geist ist vom Körper unabhängig</p>
<p style="text-align: justify;">Im Schlaf sind sich die Menschen ihres grobstofflichen Körpers nicht bewusst, aber die Erinnerung an den Traum beweist uns, dass der Geist aktiv ist und unabhängig vom grobstofflichen Körper handelt. Im Wach-Zustand, in dem die Identität mit dem grobstofflichen Körper in den Vordergrund tritt, limitieren wir die Aktivitäten unserer Geisteskraft sehr oft auf die körperlichen Ebene. Dabei vergessen wir die unbegrenzte und vom Körper unabhängige Kraft des Geistes. Diese schlummernde Kraft des Geistes muss nicht nur wachgerufen, sondern auch diszipliniert werden. Wenn die Kraft des Geistes nicht diszipliniert wird, kann es für einen selbst und für andere katastrophal werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Telepathie ist die einfachste Aufgabe eines kontrollierten Geistes. Hier zeigt sich, dass mit minimalem Kraftaufwand und ohne jegliches Gerät eine Kommunikation mit einer anderen Person hergestellt werden kann. Im Raum oder Äther ist das Schicksal eines Menschen in unmanifestierter Form, jedoch in Code-Form latent vorhanden. Ein Mensch mit einem hochent-wickelten Geist kann die Code-Form von sich selbst und von anderen Personen entziffern und das Schicksal wahrnehmen. Die unbegrenzte Kraft des Geistes offenbart sich uns allmählich oder in dem Maße, in dem man sich von der Knechtschaft der Unwissenheit befreit.</p>
<p style="text-align: justify;">Ob es einen freien Willen gibt oder nicht, beantwortet sich mit einer Gegenfrage: Ist man verantwortlich für seine Handlungen?</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn man nach freiem Willen handeln will, muss man konsequenterweise auch das Resultat hinnehmen. Wenn alle unsere Handlungen hingegen von einer höheren Kraft oder einem Schicksal bestimmt werden, dann sind wir von jeglicher Verantwortung befreit. Gemäß den vedischen Schriften – den Gesetzen des Karmas – muss der Handelnde für die Konsequenz, die Frucht seiner Handlungen, entweder leiden oder er kann sie genießen.</p>
<p style="text-align: justify;">Dieser Text wurde im SEIN-Magazin Berlin 2/06 veröffentlicht</p>
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		<title>Profit und Spiritualität</title>
		<link>http://www.vedic-guide.de/texte/profit-und-spiritualitat</link>
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		<pubDate>Sun, 28 Aug 2011 12:13:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vedicguide</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Reichtum]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>

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		<description><![CDATA[Profit und Spiritualität: ist es möglich? Es lebte einmal ein Yogi&#8230; Ach nein! Diese schöne Geschichte werde ich ganz zum...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Profit und Spiritualität: ist es möglich?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es lebte einmal ein Yogi&#8230;<br />
Ach nein! Diese schöne Geschichte werde ich ganz zum Schluss erzählen.<br />
Zunächst bin ich Ihnen eine Definition und Erläuterung des Themas schuldig. Gewinn und Verlust sind relativ. Um über Profit und Spirtualität zu sprechen, brauchen wir ein klares Verständnis von den beiden Begriffen. Profit bedeutet ein Gewinn, der höher ist, als die Investition. Spiritualität bedeutet eine Beschäftigung im Bereich des höheren Bewusstseins. <span id="more-17"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Wenn die beiden Begriffe getrennt genannt werden, dann sind sie nicht schwer zu verstehen. Profit bedeutet in der Tat ein Gewinn, zumeist im materiellen Bereich angewandt. Und Spiritualität strebt an, den Geist auf die absolute Ebene zu erheben, die über der materiellen Dualität existiert. Spritualität bewegt sich auf der absoluten Ebene. Dagegen kann man den Begriff &#8216;Profit&#8217; in beiden Bereichen, nämlich im materiellen wie auch im spirituellen benützen. Jetzt kommen wir zu der Frage, wie können Profit und Spiritualität miteinander koexistieren, ohne daß das eine das andere zum Scheitern bringt?</p>
<p style="text-align: justify;">In den vedischen Schriften steht ganz eindeutig, daß dies nicht nur möglich, sondern dass beides sogar nicht getrennt werden kann. Nach exakter Analyse der menschlichen Natur, sind die Veden zu der Schlußfolgerung gelangt, dass die Menschen immer nach Freude suchen. Freude ist in verschiedenenen Graden durch vier &#8216;Purusa-arthas&#8217; zu erreichen: &#8216;Purusa&#8217;  bedeutet das &#8216;menschliche Wesen&#8217; und &#8216;Artha&#8217; bedeutet &#8216;Wert&#8217; oder &#8216;etwas Bedeutungsvolles&#8217;.</p>
<p style="text-align: justify;">1.)   Kama (Sinnesgenuss),<br />
2.)   Artha (materieller Wohlstand),<br />
3.)   Dharma (Handlungen nach den Anweisungen der Schriften, die Frieden geben<br />
und  von Angst befreien) und<br />
4.)   Moksha (endgültige Befreiung vom wiederholten Zyklus von Geburt und Tod)</p>
<p style="text-align: justify;">Die vier unterschiedlichen Ziele richten sich nach den verschiedenen Bewußtseins-Ebenen und vielfältigen Neigungen der Menschen. Die Vedischen Schriften verurteilen den Wunsch des Menschen nach Freude zu suchen nicht, sondern akzeptieren und fördern seine zahlreichen Anstrengungen. Deswegen werden die Veden auch &#8216;kalpavrksa&#8217; ( Wunschbaum) genannt.</p>
<p style="text-align: justify;">In den Veden geht es allerdings hauptsächlich darum, dass unser menschliches Leben &#8211; die Geburt in einem menschlichen Körper ist sehr selten und äußerst wertvoll &#8211; für den richtigen Zweck genutzt wird. Was ist der richtige Zweck? Unser allmählicher Aufstieg vom schlummernden Bewusstsein zum erweckten Bewusstsein. Hier können wir sehen, daß der Mensch durch geistigen Fortschritt spirituell profitieren kann. Menschen können sehr leicht inspiriert werden, etwas zu unternehmen, nämlich dann wenn ein Profit zu gewinnen ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Schrittweiser, leicht nachvollziehbarer Fortschritt auf dem Weg zur spirituellen Erleuchtung wird &#8216;Profit&#8217; im spirituellen Bereich genannt. Und die Investition dafür ist &#8216;Sadhana&#8217; ( regelmäßige spirituelle Praxis). Der Vorgang um die vier obengenannten Ziele zu erreichen, ist besonders in den Veden im Detail beschrieben, und wenn man ihn richtig befolgt, erreicht man diese Ziele, bzw. die verschiedenen Stufen zur sich steigernden Freude in unserem Innern.</p>
<p style="text-align: justify;">Unsere Investition liegt in diesem Vorgang, bei dem wir mit großer Ernsthaftigkeit unsere Zeit und Energie einsetzen müssen. Und der Gewinn, den wir erlangen, wenn wir diesen Vorgang befolgen, ist viel höher als unsere Investition. Wenn das menschliche Bewusstsein zu der Erkenntnis gelangt ist, dass zeitweiliger materieller Profit uns weder konstanten Genuß noch anhaltende Freude bieten kann, dann macht er sich auf die Suche nach permanenter Freude.</p>
<p style="text-align: justify;">Materielle Freude, die von materiellen Genuß herrührt, hat einen Anfang und ein Ende und deshalb muss man immer weiter suchen, um stetig neue Ereignisse und Dinge für unseren Genuss zu finden. Die Suche nach absoluter Freude beginnt man nur dann, wenn man erkannt hat, dass materielle Freude wie eine vorgaukelnde Fata-morgana ist. Den Durst nach echter Freude kann man damit nicht löschen. Die absolute Freude jedoch, die dauerhaft ist, kann man nur in der Seele finden, und durch Selbstverwirklichung gewinnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Dasein in Ewigkeit, ein absolutes Wissen und eine sich immer vermehrende Freude sind alles Eigenschaften, die in uns (in der Seele) wohnhaft sind. Beweis dafür ist: Niemand möchte sterben, weil unsere Seele von ewiger Natur ist. Niemand möchte in Unwissenheit bleiben, da er dann in Täuschung und Verzweiflung gerät. Niemand möchte leiden und ganz ohne jegliche Freude leben.</p>
<p style="text-align: justify;">Zu dieser Erkenntnis gelangt man,  wenn man sich auf die Reise nach innen begibt. Dabei begegnet man seinem wahren Selbst, unserer Seele. Somit enden Leid und Angst und man erlangt anhaltenden Frieden. Die Bibel sagt: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“</p>
<p style="text-align: justify;">Hier  nun &#8211; wie versprochen &#8211; die erläuternde Geschichte dazu:</p>
<p style="text-align: justify;">Es lebte einmal ein Yogi, der beim Studieren vieler Schriften herausfand, dass es einen Glücksstein, genannt der &#8216;Stein des Weisen&#8217;, gäbe, der das Wertvollste in der ganzen Welt sei, und der nach Berührung alle Dinge in Gold umwandeln könne. Er zog viele Jahre durch viele Länder auf der Suche nach diesem Stein.</p>
<p style="text-align: justify;">Als er alt geworden war, kam er auf den Rat eines Gelehrten nach Vrindavana, in der Nähe von Delhi, zum Haus des großen Weisen, Sanatana Goswami. Dieser lebte in einer äußerst bescheidenen Hütte am Ufer des Jamunaflusses. Der Yogi fragte ihn nach dem Stein. Daraufhin deutete Sanatana Goswami mit dem Finger in eine Ecke seiner Hütte.</p>
<p style="text-align: justify;">Tatsächlich fand er inmitten von Abfällen endlich den Stein. Berauscht vor Freude rannte er wie ein Verrückter aus der Hütte. Doch nach einiger Zeit hielt er plötzlich inne. Ein großer Zweifel überkam ihn: Wieso lag ein solch wertvoller Schatz unbeachtet irgendwo mitten im Abfall einer ärmlichen Hütte dieses großen Weisen?</p>
<p style="text-align: justify;">Er hatte für die Suche nach dem &#8216;Stein des Weisen&#8217; sein ganzes Leben hingegeben. Bedeutete das, dass der Weise Sanatana Goswami etwas noch Wertvolleres besitzen sollte? Sofort rannte er wieder</p>
<p style="text-align: justify;">zurück und wandte sich mit der Frage an ihn: &#8220;Welches ist der Schatz, den Du besitzt, dass Du diesen wertvollen Stein, mit solch einer Nachlässigkeit behandelst&#8221;?  Sanatana Goswami  antwortete: &#8220;Um das zu verstehen und um meinen Schatz kennenzulernen, musst Du erst diesen Stein in den Fluss werfen. Um etwas Höheres zu  gewinnen, muss man das Niedrigere aufgeben. Um absolute Freude zu gewinnen, muss man den noch so wertwollen materiellen Schatz auf- geben&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Erläuterung dazu:</p>
<p style="text-align: justify;">Man muss solche Gleichnisse nur als Denkimpulse und nicht wortwörtlich nehmen. Der wichtige Punkt ist, dass man, um etwas Auserlesenes zu gewinnen, sich dafür qualifizieren muss, was  heisst, einen höheren Geschmack zu entwickeln.</p>
<p style="text-align: justify;">Das bedeutet im praktischen Leben nicht, dass man alles Materielle ablehnen soll, sondern dass man es sinnvoll einsetzen soll, für ein bestimmtes ideales Ziel, z.B., um auf diese Weise einen höheren Geschmack zu entwickeln und zu kultivieren. Das ist nur möglich, wenn man sich von der materiellen Bedingtheit  und Anhaftung an die Materie allmählich löst.</p>
<p style="text-align: justify;">Hier gilt das Prinzip:</p>
<p style="text-align: justify;">Das menschliche Bewusstsein ist ausgestattet mit der Fähigkeit, sich Wünsche zu erfüllen und durch Vernunft zu unterscheiden. Aber die Materie besitzt kein Bewusstsein. Der Zustand unserer materiellen Bedingtheit widerspricht dieser Wahrheit. Um von diesem, unserem wertvollen menschlichen Leben tatsächlich zu profitieren &#8211; und das in eigener voller Freiheit &#8211; sollte man sich von der Knechtschaft der materiellen Anhaftung befreien, und  das Bewusstsein mit universaler Freude verknüpfen.</p>
<p style="text-align: justify;">Gedanken:</p>
<p style="text-align: justify;">Zeit ist ewig. Zeit ist die Representantin des Todes. Kann die Zeit in Stücke geteilt werden? Die Vergangenheit ist nur ein Gedanke, der existiert haben mag. Die Zukunft ist ein Gedanke, der zur Existenz gelangen könnte. Gegenwart ist die Zeit, die ewig dahin fliesst.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Wahrnehmung der Realität bedeutet &#8216;ich existiere&#8217;. Viele Philosophen debattieren darüber, dass die phenomenale Welt &#8211; so wie sie ist &#8211; ein Traum, eine Lüge sei. Andere behaupten, dass die Welt wirklich sei, aber zeitweilig. Geht mich die Welt etwas an, wenn ich nicht existiere, um  sie zu erleben? Ich bin es, der die Welt und meine Erfahrungen darin mit Schmerz, Furcht,  Freude und einer Mischung von all diesen anmale.  Ich kann sie auch mit Helligkeit und Freude ausmalen.</p>
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		<title>Schicksal</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Aug 2011 12:12:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vedicguide</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was ist vorgegeben und was veränderbar? Im christlichen Glauben wird das Thema &#8220;Schicksal&#8221; nicht eindeutig behandelt. Über viele Jahrhunderte hinweg...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Was ist vorgegeben und was veränderbar?</p>
<p style="text-align: justify;">Im christlichen Glauben wird das Thema &#8220;Schicksal&#8221; nicht eindeutig behandelt. Über viele Jahrhunderte hinweg wurde vorwiegend eines der vielen Konzepte beachtet: Katastrophen oder Unglücksfälle, die in unserem persönlichen Leben oder dem Leben einer großen Menschenmenge geschehen und deren Ursachen uns unerklärlich sind, werden verbreitet als vorherbestimmter Fluch Gottes angesehen. Für gläubige Christen werden zukünftige Geschehnisse als Früchte gesehen, die so geerntet werden, wie sie gesät wurden. <span id="more-14"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Das bedeutet, dass rechtschaffenes Handeln im Leben zum Paradies führt, aber ein Sünder in Ewigkeit in die Hölle verbannt wird. Im Islam wird dasselbe Konzept wie im Christentum akzeptiert. In den morgenländischen Religionen, wie im Buddhismus, Schintoismus, Konfuzianismus bedeutet &#8220;Reinkarnation&#8221;, dass das Schicksal oder Karma aufgrund von Handlungen im vorigen Leben vorherbestimmt wird. Deshalb kann das Schicksal hier nicht geändert werden. Im Buddhismus jedoch wird richtiges Verhalten in freier Entscheidung, gemäß religiöser Anweisungen empfohlen. Die resultiert in Ergebnissen, die wir teilweise schon in diesem Leben, jedoch insbesondere im nächsten erfahren werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Die moderne Ansicht von Schicksal folgt der Auffassung des altgriechischen Philosophen Epikur: &#8220;Iss, trinke und genieße, denn morgen wirst Du sterben&#8221;, die eine Wiederholung des uralten vedischem Philosophen, dem Atheisten Charvaka ist, der sagt: Mit allen Mitteln sollst du deine Sinne genießen, auch wenn Du Schulden machst, denn nachdem der Körper in Asche/Erde verwandelt ist, wird der Mensch nie wieder zurückkommen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die wissenschaftliche vedische, theistische Ansicht lautet: Jede Handlung hat Reaktionen in genau gleicher Proportion. Ungefähr fünfzig Prozent der jetzigen Lebens- Geschehnisse und Umstände sind das Resultat von Handlungen in vorheriger Inkarnation. Der andere Teil der Ereignisse ist das Resultat von Handlungen in diesem Leben. Gemäß der Veden gibt es vier Hauptaspekte, die in unserem Leben vorherbestimmt sind:</p>
<ol>
<li> Die Familie, in der wir geboren werden und die Erziehung, die wir erhalten. Sie hinterlassen dauerhafte Eindrücke in der Psyche, die u.a. unsere Mentalität, unsere Lebenshaltung und unseren Charakter bestimmen.</li>
<li>Reichtum, den wir durch faire Mittel, rechtschaffene Handlungen erhalten und erben</li>
<li>Akademische Ausbildung</li>
<li>Physische Erscheinung, wie Schönheit, Gesundheit und Lebensdauer</li>
</ol>
<p style="text-align: justify;">Karma, das Sanskritwort für Schicksal, ist zeitweilig und ein nicht permanentes Phänomen. Es ist eine der vielen Manifestationen der materiellen Energie oder wird auch als &#8216;Naturgesetz&#8217; bezeichnet.  Das Gesetz des Karmas gründet auf dem Naturgesetz. Das Naturgesetz ist Gottes Gesetz. Gott ist der Schöpfer der Natur und Welt -  umfassend von allem. Gott ist auch der Erhalter und Beschützer dieses Naturgesetzes. Gesetz bedeutet etwas, das alle Ursache und Wirkung unter seine Kontrolle bringt &#8211; vom Chaos zur Harmonie. Gemäß diesem Gesetz ist Materie und alles Materielle veränderbar. Wahrheit jedoch ist ewig, unveränderbar und deshalb die wirkliche Realität. Das Gesetz des Karma, das unbeständig ist, ist weltlich. Es ist aktiv solange die ewige Seele kontinuierlich ihren Körper  wechselt. Karma bezieht sich auf den Körper und  nicht auf die Seele.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Seele ist ein Produkt der spirituellen Natur, und der Körper das der materiellen Natur. Bewusstsein ist die ewige Energie der Seele und kann frei entscheiden. Es kann Entscheidungen treffen unabhängig von karmischen Aktionen und Reaktionen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die materielle Energie, die das gesamte Universum durchdringt ist Gottes äußere,  spirituelle Energie und ist ewig. Gottes Energie ist auch das kontrollierende Prinzip der Energie der Seele, das Bewusstsein.</p>
<p style="text-align: justify;">Gott ist unbegrenzt und allmächtig und alle individuellen Seelen sind Gottes winzige Teile, die, wenn auch in winzigem Grad,  dieselben Qualitäten, wie Ewigkeit, Allwissenheit und Glückseelig- keit besitzen, wie Gott, der sie jedoch im höchsten Maß besitzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn wir uns unserer spirituellen Natur bewusst werden, erfährt unser Bewusstsein eine Freiheit, mit der es unabhängig von karmischen Gesetzen, vom Naturgesetz handeln kann. Aber das Bewusstsein des Menschen ist momentan durch materielle Gesetze eingeschränkt und kann sich deshalb nicht über das körperliche Bewusstsein erheben. Sobald es gereinigt ist von seiner falschen Identifikation mit dem materiellen Körper, Geist und Intelligenz, kann es sein eigenes Karma und das anderer ändern, wenn die Bereitschaft besteht sich von einer befreiten Person führen zu lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">Falsche Identifikation mit dem Körper bedeutet, sich selbst als den  Tätigen, den Kontrolleur aller Handlungen in dieser Welt zu betrachten, und als den Haupt-Genießer seiner daraus resultierenden Früchte.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Gesetze der Natur funktionieren mit Hilfe der Zeitkomponente durch ihre Agenten, die, gunas’, oder ,modes of material nature&#8217; genannt werden. Ein guna erschafft, eins erhält und eins vernichtet. Diese drei gunas kontrollieren ständig die Gedanken des Menschen und wirken auf sein Handeln ein. So kommt es,  dass der Mensch sehr oft sogar gegen sein besseres Urteil und seinen Willen handelt. Die materielle Welt wird gleichzeitig auch ständig durch diese Prozesse beeinflusst.</p>
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		<title>Die acht Stufen des Yoga nach Patanjali</title>
		<link>http://www.vedic-guide.de/texte/die-acht-stufen-des-yoga-nach-patanjali-%e2%80%93-ein-vortrag-von-shri-sarvabhavana</link>
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		<pubDate>Sun, 28 Aug 2011 12:11:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vedicguide</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In den Veden gibt es sechs philosophische Hauptströmungen, die sich alle auf  verschiedenen Ebenen mit der Suche des Menschen nach...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den Veden gibt es sechs philosophische Hauptströmungen, die sich alle auf  verschiedenen Ebenen mit der Suche des Menschen nach der Wahrheit beschäftigen. Seit frühester Zeit beschäftigt sich der Mensch mit der Ergründung der Welt, seines Daseins und dem Finden der Wahrheit. „Woraus besteht die Welt? Was ist der Sinn des Lebens? Wozu gibt es die menschliche Existenz? Welche Beziehung besteht zwischen dem Menschen, der Welt und dem Schöpfer?“ In den sechs philosophischen Schulen der Veden werden diese und weiterführende Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.<span id="more-11"></span><br />
Mit der Fragestellung nach der Seele, Atma, nach ihrer Beschaffenheit, Bedeutung und Quelle, kommt der Vorgang des Yoga ins Spiel. Der Begriff „Atma“ hat im Sanskrit verschiedene Bedeutungen. Zum einen beschreibt er die Seele, zum anderen auch den Geist und den Körper. Er steht also für all diese drei Aspekte unseres Wesens zugleich.</p>
<p>Das Yoga-System besteht aus sich aufbauenden Stufen, die den Vorgang der Seelenerkenntnis beschreiben. Der Schlüssel dazu ist die Beherrschung des Geistes. Unser Geist steht als Begleiter unserer Sinne immer in Kontakt mit der Außenwelt. Es ist ihm nicht möglich, sich des Einflusses der materiell-sinnlichen Welt zu entziehen, solange er aktiv das Dasein dominiert. Ein unkontrollierter Geist ist ständig von den Eindrücken der äußeren Welt abgelenkt und erlaubt uns keine Innenschau. In dieser Weise ist Transzendenz nicht erfahrbar. Die Seele in ihrer transzendentalen Natur kann nicht über materielle Instrumente wahrgenommen werden. Mit dieser Erkenntnis beginnt Yoga. Yoga baut auf dem Verstehen auf, dass geistige Kontrolle die Voraussetzung dafür ist, die Seele zu erkennen</p>
<p>Die erste Stufe des Yogasystems nach Patanjali heißt Yama. Übersetzt bedeutet Yama „zügeln“, „zurückziehen“. Doch was genau gilt es hier zu zügeln? Wir haben unseren Geist bisher so stark nach außen gehen und sich in der Außenwelt verstricken lassen, dass uns das wirkliche Verständnis unserer eigentlichen Identität fehlt. Was ist unsere wahre Identität? Hat sie irgendetwas mit den Dingen des Außen, mit denen wir uns täglich auseinandersetzen, zu tun? Unserem Auto, unseren Essgewohnheiten, den Menschen, mit denen wir uns umgeben, den Rollen, die wir ihnen gegenüber einnehmen? Die Frage nach dem „Wer bin ich?“ wird aber erst auf einer späteren Stufe des Yoga-Systems beantwortet werden können.<br />
Die zweite Stufe des Yoga-Systems sucht nun nach Wegen, diese Fähigkeit, die eigenen Sinne zu zügeln, dauerhaft zu festigen. Die zweite Stufe des Yogasystems heisst Nyam. Ny heißt „regelmäßig“ und in der Verknüpfung mit yama bedeutet Nyama dann: Die Sinne dauerhaft  durch Regelmäßigkeit zu zügeln. Solange der analytische Geist durch viel Lesen und eine ständige Auseinandersetzung versucht, die philosophischen Grundlagen zu verstehen, der Mensch es aber nicht schafft, diese Erkenntnisse auch in seinen Lebensstil zu übersetzen, bleiben die Erkenntnisse rein theoretisch. Wenn wir davon sprechen, eine bestimmte Lebensweise zu entwickeln, dann sprechen wir auch davon, neue Gewohnheiten in unser Leben zu integrieren. Gewohnheiten brauchen, um sich entwickeln zu können, Stetigkeit und Beharrlichkeit. Nyama lehrt uns, wie man über Disziplin und einen geregelten Tagesablauf die Sinne nachhaltig unter Kontrolle halten kann.</p>
<p>Nach der Stufe a) die eigene Energie und die Sinne nicht mehr nach außen, sondern nach Innen zu richten und b), diese Fähigkeit, die Sinne zu zügeln, auch nachhaltig durch Disziplin zu festigen und einen Lebensstil daraus zu gestalten, folgt die dritte Stufe des Yoga.</p>
<p>Die dritte Stufe heisst Asana. Auf der Stufe der Asanas gelangt man dazu, aufgrund bestimmter körperlicher Übungen und Stellungen den eigenen Körper in der Tiefe wahrzunehmen und von dort aus zu erforschen, inwiefern der eigene Körper das wahre Selbst repräsentiert. Patanjali sagt, dass alle Stellungen, die wir beim Gehen, beim Sitzen oder beim Schlafen einnehmen, eigentlich unbewusst eingesetzte Asanas oder Upa – Asanas sind. Asanas sind Hauptkörperstellungen, die man für längere Zeit hält, so dass die Lebensenergie in einer bestimmten Weise in den Körper fließen und dort kanalisiert werden kann. Upa &#8211; Asanas sind Nebenhaltungen, mit denen man den Körper zusätzlich unterstützen kann. Asanas sind jedoch – entgegen der heutzutage in Yoga-Kreisen gängigen Praxis – nicht in erster Linie dazu da, als Fitnessübung Einsatz zu finden, sondern sind dafür vorgesehen, gezielt der Heilung von Krankheiten zu dienen. Nicht jedes Asana ist für jeden Menschen geeignet. Jeder Mensch hat einen individuellen Körperbau und ganz unterschiedliche körperliche Bedürfnisse. Das erfordert eine individuelle Behandlung. Alle Stellungen müssen sehr sorgsam ausgeführt werden, da sie sonst langfristig sogar zu körperlichen Schäden führen können. Aus diesem Grund wird sowohl im Yoga-Sutra wie auch im Ayurveda davor gewarnt, solche Übungen ohne einen Lehrer zu praktizieren. Letztlich dient auch das Praktizieren dieser Stellungen einem übergeordneten Zweck, nämlich zu erforschen, inwiefern das Selbst auf der körperlichen Ebene zu finden ist.</p>
<p>Auf der vierten Stufe des Yoga kommen wir zu Pranayama.Prana ist die Lebensenergie, die in Form verschiedener Luftströmungen im Körper zirkuliert. Über die Anzahl dieser Luftströmungen im menschlichen Körper gibt es unterschiedliche Aussagen; Patanjali spricht in seinem Yoga-Sutra von fünf dieser Luftströmungen. Sie durchströmen sowohl unseren Körper als auch das gesamte Universum. Wenn die Seele nach der Zeugung in den Fötus im Mutterleib eingeht, nutzt sie eine dieser Prana-Luftströmungen als Kanal. Manchmal wird fälschlicher Weise behauptet, dass die Seele direkt im Herzen oder in der Herzregion sitze. Es ist aber eher so, dass sie sich, ohne fest lokalisiert werden zu können, in einer der Prana-Strömungen aufhält, die sich um das Herz herum bewegt.</p>
<p>Prana schenkt uns Kraft durch den Atem, weil uns der Atem am Leben erhält. Der gesamte Mechanismus unseres Körpers ist so aufgebaut, dass er sich nicht aufrecht erhalten könnte, ohne Sauerstoff aufzunehmen und Kohlendioxyd abzugeben. Der Sauerstoff verwandelt die weißen in rote Blutkörperchen, und je mehr der Körper davon in seinem Blut anreichert, desto gesünder, vitaler und kraftvoller wird die Person. Meist sind wir uns wenig darüber bewusst, in welchem energetischen Zustand wir uns wirklich befinden und welche Energie uns zur Verfügung steht, um die Aufgaben es Lebens zu bewältigen. Auf der Stufe des Pranayma werden wir uns darüber bewusst, wie wir unsere Energie am Besten kanalisieren sollten.</p>
<p>Prana bedeutet also die Lebensenergie-Luftströmung, und Pranayama heißt dann, dieses Prana bewusst zu steuern. Auf der Ebene des Pranayama wird nun über die Wahrnehmung der Lebensvitalität erforscht, ob das Prana, welches den gesamten Körper durchdringt, das wahre Selbst darstellt. Verfolgt man auch diese Stufe ernsthaft, kommt man zu dem Ergebnis, dass der Körper und damit auch die in ihm weilende Lebensenergie vergänglich sind. Wird der Körper zerstört, wird auch das mit dem Körper verbundene Prana zerstört. Und da alles, was vergänglich und zerstörbar ist, nicht wahr und essentiell sein kann, kann dieser Körper also nicht unsere wahre Identität sein. Die Existenz des Prana setzt die Existenz einer höheren Energie voraus. Diese höhere Energie ist das Bewusstsein, die Energie der Seele. Dieses Bewusstsein durchdringt unseren Körper, und daher kann sich das Prana überall ausbreiten. Zieht sich das Bewusstsein aus dem Körper zurück, verliert das Prana seine „Trägersubstanz“, um sich im Körper zu verteilen.<br />
An der fünften Stelle des Yoga-Systems kommen wir zu Pradyaha. Pra heißt „gründlich“ und adjaha bedeutet „ablehnen von Dingen, die unnötig sind“. Hier beginnt die Verwirklichung, dass alles in dieser materiellen Welt zeitweilig ist, alles, was in irgendeiner Form mit dem Körper verbunden ist, mit dem Tod des Körpers endet und daher die Suche nach dem wahren Selbst im Außen und im Körper selbst uns nicht fündig werden lässt.</p>
<p>Hier fragen wir weiter: „Woraus besteht unser Wesen noch?“ Wie schon in der Schule der Shankya-Philosophen erkannt, beinhaltet unsere Existenz neben dem grobstofflichen auch einen feinstofflichen Körper, der aus den drei Elementen Geist, Vernunft und Ego bzw. falschem Ego besteht.</p>
<p>Wenn ich von Geist, Vernunft oder Ego spreche, so bezeichne ich damit keinen eindeutig in uns markierbaren Bereiche, sondern eigentlich nur die verschiedene Funktionen eines Bewusstseins. Der Teil des Bewusstsein, der die verschiedenen Sinne lenkt, heißt Geist. Mein Geist schenkt mir meine Individualität, er lässt mich persönliche Erfahrungen spüren. Der Teil des Bewusstseins, der unsere Erinnerungen speichert und für das Unterscheidungsvermögen zuständig ist, ist die Vernunft. Sie schenkt uns die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Und unser Ego ist eigentlich jene Funktion unseres Bewusstseins, das uns immer wissen lässt, dass wir existieren. Das Ego wird in dem Moment als falsches Ego bezeichnet, im Sanskrit: Ahankara, wenn das reine Bewusstsein der Seele sich fälschlicherweise mit dem Körper bzw. dem Geist identifiziert. Durch diese falsche Vorstellung verunreinigt, verwandelt sich das reine Bewusstsein des Egos in das falsche Ego. Alle drei Funktionen des Bewusstseins gehören eigentlich zu einem einzigen Gesamtbewusstsein. Aber um den Mechanismus besser verstehen zu können, trennen wir das sprachlich in die drei genannten Funktionen auf.</p>
<p>Während wir auf der Stufe des Pradyaha unsere Sinne zurückziehen und uns bewusst nach Innen richten, steht auf der sechsten Stufe des Dhyana die Meditation im Vordergrund. Unter dem Begriff der Meditation werden in unterschiedlichen Schulen verschiedene Vorgänge verstanden. Doch wenn Patanjali von Dhyana spricht, dann sieht er den Sinn der Meditation nicht darin, sich auf irgendeinen Punkt oder ein Licht zu konzentrieren und lediglich den Geist zur Ruhe kommen zu lassen, sondern in einer ernsthaften Forschung nach dem wahren Selbst. Einer Suche, die durch Klangschwingungen in Form von Mantren, eine Verbindung mit unserem feinstofflichen Wesen, der Seele schafft.</p>
<p>Das Wort Dhyana kommt von der Wurzel dhi, was soviel wie Intelligenz bedeutet. Man hat den Zustand des Dhyana erreicht, wenn man die Intelligenz auf das wahre Selbst richtet, während man alle Eindrücke und Gedanken abgeblockt, um den Geist sich nicht ablenken und nach außen ziehen zu lassen. Im Dhyana erfahren wir dann, dass es eine Realität gibt, die sowohl individuell als auch universell ist. Es gibt eine Realität, die jeder erfahren kann, aber auch eine individuelle Realität, die nur jeder für sich selbst erleben kann und für sich selbst als real wahrnimmt. Wie ich meiner Außenwelt begegne, wird weitestgehend dadurch bestimmt, welches Abbild der Welt ich in meinem Inneren trage. Jemand, der die Stufe des dhyana erreicht hat, weiß, dass er der Schöpfer seiner Welt ist. Nicht in dem Sinne, dass er all die Dinge in der Welt wie die Sonne, die Pflanzen, die Gebäude etc. kreiert hat, sondern in seiner Wahrnehmung. Nicht die Welt da draußen bestimmt, wie ich denke. Auf der Stufe des Dhyana erlebe ich mich zum ersten Mal als Schöpfer. Bis hierhin ist mein reines, wahres Selbst aber noch unentdeckt geblieben. Was schon wie ein langer Weg aussah, ist erst der Beginn der wirklichen Reise. Langsam, aber sicher hat der Geist aufgehört, unser Leben zu bestimmen, weil er keine Impulse von außen mehr bekommt, die ihn nach außen ziehen könnten. Durch den Vorgang des Yoga allerdings entwickelt sich langsam eine Verbindung zur nicht-materiellen Dimension. Die Verbindung zur transzendentalen Energie der Seele, zu dem Bewusstsein der reinen Seele beginnt sich herauszukristallisieren. Hier bewegen wir uns in einer völlig neuen Dimension; einer transzendentalen Dimension, welche wir mit dem Geist überhaupt nie erfahren könnten.</p>
<p>Die nächste, siebte, Stufe ist die Stufe des Dharana. Dharana bedeutet: Wo das Dhyana ununterbrochen wie Honig oder Öl fließt. Wenn man den Zustand des Dhyana erreicht hat, lässt man nicht weder von Äußerlichkeit noch von körperlichen Drängen stören und die Vertiefung in die Meditation wird so tief, dass man nichts anderes mehr außer der Seele wahrnimmt. In diesem Zustand des Dharana erfährt man eine Glückseligkeit, die man bis dahin in seinem Leben nicht erfahren konnte. Hier bekommen wir den ersten Geschmack der eigenen Unsterblichkeit, der Unsterblichkeit der Seele. Da ich unsterblich bin, bin ich auch eine Quelle des Wissens, die mich auf ewig aus dem Kreislauf von Geburt und Tod befreien wird. All das Wissen um die vielen Geburten, die wir erfahren und Vorleben, die wir geführt haben, sogar das Wissen um unsere tierischen Inkarnationen, erscheint auf den Stufen von Dhyana und Dharana wie in einem Film vor uns. Jetzt hat man die volle Kontrolle über seine eigenen Gedanken, seinen Geist erlangt, so dass man sein Bewusstsein aus der Herrschaft des Geistes unter die Kontrolle der Seele gegeben hat.</p>
<p>Auf der achten, der letzten Stufe des Yoga-Systems, in dem Zustand des Samadhi, löst sich die Unterscheidung zwischen der äußeren und der inneren Welt auf. Die Dualität hört auf zu existieren. Für so lange waren wir der Dualität Untertan. Im Samadhi zu sein, heißt, ein geistiges Gleichgewicht gefunden zu haben, wo wir erstmals nicht von Leid und Freude, nicht von Kälte und Hitze, nicht von Beleidigung oder Lobpreisung berührt werden. All dies wird gleichgültig, weil wir im Kontakt mit unserer Seele gar nicht zu dieser Welt gehören. Die Seele entstammt einer gänzlich anderen Quelle und wird lediglich aufgrund ihrer karmischen Reaktionen gezwungen, einen verkörperten Zustand anzunehmen. Auf dieser Ebene entfaltet sich das Wissen, dass die Seele ewig unzerstörbar, voller Wissen und Glückseligkeit ist. Das sind die acht Stufen des Yoga-Systems des Patanjali-Sutra.</p>
<p>Fragen und Antworten</p>
<p>&#8220;Bewusstseinserhöhung&#8221;</p>
<p>Frage: Sind diese Stufen so zu verstehen, dass man sie chronologisch durchlaufen muss, eine Stufe nach der anderen oder kann man die einzelnen Stufen auch parallel angehen?</p>
<p>Antwort: Da gibt es unterschiedliche Auffassungen: manche Yoga Meister sagen, dass diese acht genannten Stufen aufeinander aufbauen und man sie daher auch in der entsprechenden Reihenfolge durchlaufen sollte. Das bedeutet, dass man erst mit yama anfängt, dann zu Nyama übergeht etc. Andere Meister vertreten die Auffassung, dass es bis zur sechsten Stufe möglich ist, diese acht Stufen parallel zu beschreiten. Man sollte nur nicht so vorgehen, wie es heutzutage häufig vorzufinden ist: nur asanas oder pranayma zu praktizieren und es dabei zu belassen, das heißt also yama, nyama etc. wegzulassen.</p>
<p>Frage: Wenn man das aber trotzdem so macht, bringt das dann gar nichts?</p>
<p>Antwort: Wenn wir von „bringen“ sprechen, müssen wir uns fragen &#8211; „bringen“ in Bezug auf welches Ziel? Das Ziel des Yogas ist Selbsterkenntnis. Man erreicht diese nur durch Geistesbeherrschung. Wenn man den Geist nicht unter Kontrolle hat, ist das nicht möglich. Wenn man Asanas und Pranayama ohne das Ziel der Selbsterkenntnis ausführt, dann erfüllt das nicht seinen wahren Zweck.</p>
<p>Frage: Kann ich nicht durch Asanas und Pranayma doch etwas erhöht werden?</p>
<p>Antwort: Nein, nur durch Asanas und Pranayama allein kann man sein Bewusstsein nicht erhöhen. Solange kein höheres Ziel existiert, bleibt die Person auf einer Ebene stehen. Eine Bewusstseins-erhebung kann es wirklich nur mit einem höheren Ziel geben. Das bedeutet auch, auf der Basis einer entsprechenden Philosophie und Weltanschauung. Letztendlich ist es eine Suche nach der Wahrheit. Wenn diese Forschung nach der Wahrheit nicht da ist, dann ist es egal, ob man meditiert oder Asanas oder Pranayama macht oder ob man sich sattvisch ernährt. Alle Bemühungen werden zeitweilig bleiben und verfehlen ihren ursprünglichen Zweck.</p>
<p>Frage: Wie ist es dann mit Mantra-Meditationen? Manchmal ist es ja so, dass bei herkömmlichen Yoga-Abenden traditionelle Mantras eingebunden werden. Wie ist deren Wirkung einzuschätzen?</p>
<p>Antwort: Ich meine auch hier: Von welchem Zweck sprechen wir? Das Ziel sollte von Anfang an vorhanden sein! „Ich mache Yoga oder Mantra-Meditation weil…“ Wenn jetzt aber mein einziges Ziel ist, nur mein geistiges Gleichgewicht aufrecht zu erhalten bzw. meine Gesundheit zu stärken, dann ist auch diese Meditation sehr zeitweilig. Solange ich meditiere, halte ich meinen Geist ruhig. In dem Moment aber, in dem ich in mein tägliches Leben hinaustrete, verliere ich wieder allen Gleichmut. Dann wird die Meditation einfach zu einer sich wiederholende Erholungsphase, bringt mich aber langfristig gesehen nicht wirklich weiter.</p>
<p>&#8220;Die Quelle der Seele&#8221;</p>
<p>Frage: Sie haben vorhin von der Quelle der Seele gesprochen. Wo kann ich mir diese denn vorstellen? Wo liegt denn die Quelle der Seele?</p>
<p>Antwort: Das wäre der nächste Schritt im Yoga-Sutra. Das Yoga-System bringt uns zur Erkenntnis der Seele. Zur Erkenntnis, dass alles eine Quelle hat. Patanjali sagt: Ich kann nicht meine eigene Quelle sein. Ich, als meine eigene reine Seele, kann nicht meine eigene Quelle sein. Wenn ich meine eigene Quelle wäre, wer wäre dann die Quelle der anderen Seelen? So muss es doch eine Quelle geben, die außerhalb von uns liegt und darüber hinaus geht. Diese Quelle wird in den Veden als Gott beschrieben; Gott als die Quelle aller Seelen.</p>
<p>Frage: Ist Gott dann mehr eine Dimension oder ist er etwas Personifiziertes?</p>
<p>Antwort:  Das wäre logisch. Ich, mein wahres Selbst, die Seele besitzt Eigenschaften. Diese Eigenschaften sind Ewigkeit, Wissen und Glückseligkeit. Und ich selbst kann nicht so verschieden sein von meiner Quelle. So müsste demnach auch meine Quelle die gleichen Eigenschaften wie ich besitzen, oder? Die Quelle müsste dementsprechend auch ewig, voller Wissen und Glückseligkeit sein.</p>
<p>Frage: Und mit einer Bewusstseinserweiterung wäre dann zu erkennen, dass ich eigentlich aus dieser Quelle komme und immer ein Teil dieser Quelle bleibe?</p>
<p>Antwort: Ja! In der Bhagavad Gita wird das in den Sanskrit Texten deutlich erklärt &#8220;mam eva hiyansa jiva loka jiva bhuta sanatana&#8221; das heißt, dass alle Lebewesen ein Teilchen dieser einen Quelle sind und &#8220;jiva bhuta sanatana&#8221; genau wie ich ewig bin, so auch alle andere Lebewesen ewig sind.</p>
<p>&#8220;Der spirituelle Meister&#8221;</p>
<p>Frage: Wie sähe denn eine Methode aus, diesen Weg zu gehen? Gelesen habe ich schon vieles, verstanden habe ich auch schon einiges, aber umsetzen: keine Chance!</p>
<p>Antwort: Das Yoga Sutra wurde vor vielen Jahren geschrieben. Wie mit allem (vedischen) Wissen ist es so, dass es immer wieder neu interpretiert werden muss. Das bedeutet zu berücksichtigen, wie man dieses Wissen in dieser heutigen Zeit, in dem jetzigen Leben umsetzen kann. Dafür braucht man einen Begleiter, einen Meister, der einen unterstützen kann, das anzugehen. Ein Meister ist jemand, der diesen Weg schon selbst gegangen ist und somit in der Lage ist, uns zu begleiten, wenn wir das umsetzen, was er oder sie uns empfiehlt. Dieses Wissen wurde in der Vergangenheit immer über diesen Weg weiter gegeben. Früher wurde es nicht schriftlich, sondern nur mündlich überliefert. Das hatte natürlich einen großen Vorteil, da man so direkt nachfragen konnte. Es gab keinen Raum für Spekulationen. Heutzutage kommt jeder daher und entwickelt seine eigenen Interpretationen der Schriften. Deswegen haben wir heute u.a. Tausende Yogalehrer, die ihre eigenen Vorstellungen davon entwickelt haben, was Yoga sei. Aber Patanjali sagt sehr klar: Yoga führt uns zur Selbsterkenntnis, und um diesen Weg der Selbsterkenntnis zu gehen, muss man sich selbst bzw. den Geist beherrschen lernen. Das ist ganz einfach in zwei Sätzen gesagt. Wie machen wir das aber heutzutage in dieser modernen Zeit? Was bedeutet geistige Beherrschung? Wie sollten wir das angehen? Wir können nicht alles aufgeben, und uns zurückziehen, um irgendwo als Einsiedler zu leben. Das ist nicht möglich. Deswegen muss das Wissen immer wieder neu, unserer Lebenssituation gemäß, interpretiert werden. Dafür brauchen wir einen Begleiter.</p>
<p>Frage: Wenn ich ein Teil der Quelle bin, dann ist auch der Guru in mir.</p>
<p>Antwort: Genau. Aber leider kann der Guru in Ihnen, Ihnen keine Ohrfeige geben, wenn Sie einen Fehler machen.</p>
<p>Frage: In Form von Krankheit schon – davon bin ich fest überzeugt.</p>
<p>Antwort: Gut, und wie war es bei ihnen, als Sie klein waren und Ihre Mutter Sie noch gestillt hat, wo war da Ihr innerer Guru?<br />
Ein Meister ist die äußere Erscheinung der Überseele, die in jedem Lebewesen sitzt. Die Überseele ist der Zeuge für alles, was wir tun, ohne sich je in unsere Handlungen und Entscheidungen einzumischen. Mein innerer Meister inspiriert mich, den Anweisungen des äußeren Meisters zu folgen. Wenn wir von Meister reden, dann sollte die Person immer ein Stück weiter sein als wir selber. Und wenn mein innerer Meister genau so dumm ist wie ich, dann wäre nichts gewonnen! Wenn unser Bedürfnis, die Wahrheit zu erkennen, so stark wird, dann erscheint die Überseele im Außen als äußerer Meister. Ohne diesen Wunsch erscheint der Meister nicht. Man braucht keinen Meister, wenn man gar nicht spirituell interessiert ist. Wozu sollte man sonst einen Meister benötigen?</p>
<p>Frage: Mein innerer Meister kann mein dummer Geist sein oder aber auch die Überseele sein. Das sind große Gegensätze! Und meistens meldet sich eh nur mein Geist.</p>
<p>Antwort: Genau. Meist lässt der Geist die Überseele nicht zu Wort kommen.</p>
<p>Frage: Aber kann es nicht auch Meister geben, die auf dem Niveau des eigenen dummen Geistes stehen?</p>
<p>Antwort: Ja, aber dann ist es kein wirklicher Meister. Dann ist es ein Kumpel. Ein spiritueller Kumpel sozusagen.</p>
<p>Frage: Ich habe halt noch nie jemanden getroffen, der in samadhi war oder ist. Man liest zwar immer von solchen besonderen Menschen, aber getroffen habe ich noch niemanden.</p>
<p>Antwort: Lass uns doch jemanden suchen, der uns zumindest ein kleines Stück weiterbringen kann. Wenn vielleicht auch nicht den ganzen Weg, so doch wenigstens ein Stück der Wegstrecke. Es ist schwierig, eine befreite Seele zu erkennen. Einen Meister, der im samadhi lebt, erkennt man nicht sogleich. Entweder zieht er sich zurück oder er übernimmt in der Öffentlichkeit die Rolle eines gewöhnlichen Menschen, ohne zu erkennen zu geben, dass es sich bei ihm um eine befreite Seele handelt. Für uns ist es wichtig zu sehen, wo wir wenigstens ein Stück der Wegstrecke weiterkommen können. Und wenn wir dann diese Strecke hinter uns gelegt und ein bestimmtes Niveau erreicht haben, dann wird wieder jemand kommen, der uns weiter begleitet. Alle Offenbarungen und offenbarten Texte sind dazu da, uns zu helfen. Diese Quelle, die uns diese Texte offenbart hat, wird sich auch darum kümmern, uns weiter zu bringen. Deswegen existiert dieses Wissen immer weiter und wird nicht untergehen.</p>
<p>Frage: Ich habe mal gehört, dass man, bevor man einen Meister finden kann, erstmal das Prinzip der Demut erlernen muss. Jeder kann ein Meister sein, auch ein Bettler, und ohne Demut jedem Menschen gegenüber kann ich nichts erkennen. Was halten Sie von dieser Aussage? Der Meister erscheint also nicht einfach in der Tür. Ich muss erst Vorarbeit leisten und lernen, dass ich nicht alles weiß.</p>
<p>Antwort: Wenn schon der Wunsch, die Wahrheit zu erfahren über allen anderen Wünschen steht, dann ist Demut vorhanden. Es ist demütig zuzugeben, dass man die Wahrheit nicht kennt. In der Regel möchte keiner zugestehen, dass er etwas nicht weiß. Die meisten geben vor zu wissen, wie die Welt funktioniert.</p>
<p>&#8220;Lebensaufgaben, Pflicht und der spirituelle Weg&#8221;</p>
<p>Frage: Wie soll ich mein Leben leben und parallel den Weg der Selbsterkenntnis gehen?</p>
<p>Antwort: Jeder von uns hat bestimmte Aufgaben. Um die Aufgaben und Verantwortungen zu erfüllen, müssen wir auch handeln. Das hat mit Philosophie nichts zu tun. So wird Arjuna in der Bhagavad-Gita z.B. als ein großer Philosoph beschrieben wird, der die Wahrheit erkannt hatte und deswegen nicht kämpfen wollte. Aber Krishna hat ihn dazu gezwungen, weil das Arjunas Aufgabe als Krieger war. Aber unsere Pflicht auszuführen, ohne begierig auf die Ergebnisse unserer Handlungen zu sein, das ist unser Weg.</p>
<p>Frage: Können Sie vielleicht ein Beispiel nennen für so eine Pflicht?</p>
<p>Antwort: Zum Beispiel die Verpflichtung einer Mutter, sich um ihr Kind zu kümmern. Die hat eine Mutter zu erfüllen, ob sie dazu gerade Lust hat oder nicht.</p>
<p>Frage: Heißt das, dass ich erst all diese Verpflichtungen zu erfüllen habe, bevor ich mich überhaupt mit Selbsterkenntnis beschäftigen kann?</p>
<p>Antwort: Nein, es kommt nicht erst das eine, erst die Verpflichtungen des Alltags und dann das andere, der spirituelle Weg der Selbsterkenntnis. Ich kann die Verwirklichung haben, dass ich eine reine Seele bin und als Seele außerhalb der materiellen Welt stehe. Ich kann dies erkennen und zeitgleich meinen weltlichen Aufgaben und Pflichten nachgehen. Darin liegt keinerlei Widerspruch.</p>
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